Kommunalwahl 2025 in Hörstel: Wer antwortet – und wer schweigt?
Transparenz ist das Fundament einer funktionierenden Demokratie – besonders in Kommunalwahlzeiten. Doch wie offen gehen die Parteien in Hörstel mit konkreten Fragen um, wenn sie sich den Bürgerinnen und Bürgern präsentieren wollen?
Unsere Redaktion von Hörstel-Aktuell hat allen antretenden Parteien dieselben Fragen zu Digitalisierung, Gesundheitsversorgung, Mobilität, Wohnraum und Ehrenamt gestellt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur CDU und SPD haben alle Fragen vollständig beantwortet.
Andere Parteien verwiesen auf ihre Webseiten – oder schwiegen ganz. Brisant ist zudem der Eindruck, dass altbewährte Parteien wie FPD und Bündnis 90/Die Grünen ihre Antworten bevorzugt nur an ausgewählte Medien und Journalisten geben. Für die Wählerinnen und Wähler heißt das: Viele Informationen bleiben unzugänglich. Ist das fair? Diese Frage wird in den kommenden Wochen noch an Bedeutung gewinnen.
Inhaltsverzeichnis
Der Hintergrund unserer Anfrage
Am 13.August 2025 schickte Hörstel-Aktuell allen Parteien, die zur Kommunalwahl 2025 in Hörstel antreten, denselben Fragenkatalog.
Ziel: klare, vergleichbare und direkte Antworten – ohne Interpretationen oder Kürzungen.
Die Kommunalwahl in NRW findet laut Landeswahlleiter am 14. September 2025 statt. Bis dahin bleibt den Parteien Zeit, ihre Ziele und Maßnahmen den Bürgerinnen und Bürgern transparent darzulegen.
Um sicherzustellen, dass alle Parteien die gleichen Chancen hatten, wurden die Fragen identisch und zeitgleich versendet – ein faires Verfahren, das gleiche Ausgangsbedingungen schaffen sollte.
Die Fragen zur Kommunalwahl an alle Parteien
Die fünf Kernfragen bezogen sich auf zentrale kommunale Themen:
Themenbereich | Leitfrage |
---|---|
Digitalisierung & Bildung | Welche konkreten Maßnahmen planen Sie, um Schulen und Verwaltungsangebote weiter zu digitalisieren und allen Menschen den Zugang zu ermöglichen? |
Gesundheitsversorgung & Pflege | Wie sichern Sie die ärztliche Versorgung in allen Ortsteilen, insbesondere Haus- und Kinderärzte? |
Mobilität & Verkehrssicherheit | Welche Schritte wollen Sie gehen, um den ÖPNV, sichere Radwege und eine Entlastung vom Schwerlastverkehr voranzubringen? |
Wohnraumentwicklung & Baugebiete | Wie wollen Sie bezahlbaren und generationengerechten Wohnraum schaffen, ohne Natur- und Landwirtschaftsflächen unnötig zu belasten? |
Ehrenamt & kommunale Infrastruktur | Wie unterstützen Sie freiwillige Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Vereine und Kulturinitiativen – auch langfristig? |
Wer wie geantwortet hat
CDU: Vollständige Antwort
Die CDU Hörstel war eine von zwei Parteien, die alle Fragen ausführlich beantwortete:
Digitalisierung & Bildung
In der Stadt Hörstel wollen wir die Chancen der Digitalisierung konsequent nutzen. Verwaltung
soll einfacher, schneller und von zu Hause aus nutzbar sein – mit Online-Formularen,
Terminbuchung oder Infos per Klick. Gleichzeitig bleibt der persönliche Service bestehen, damit
niemand ausgeschlossen wird. Auch unsere Schulen sollen fit für die Zukunft sein: stabile Netze,
moderne Ausstattung und digitale Lernangebote schaPen beste Voraussetzungen. Wichtig ist
uns dabei, dass alle mitgenommen werden. Digitale Angebote müssen leicht verständlich,
barrierefrei und mobil nutzbar sein. Wer Hilfe braucht, soll Unterstützung bekommen – ob bei
Fragen zu Online-Anträgen oder beim Umgang mit neuen Geräten. So sorgen wir dafür, dass
Digitalisierung in Hörstel allen Menschen zugutekommt.
Gesundheitsversorgung & Pflege
Eine gute ärztliche Versorgung in allen vier Stadtteilen ist unverzichtbar. Wir setzen uns dafür ein,
dass Haus- und Kinderärzte verlässliche Rahmenbedingungen vorfinden. Bestehende Praxen
wollen wir stärken, Nachfolgeregelungen frühzeitig begleiten und jungen Medizinern Anreize
bieten, sich hier niederzulassen. Auch neue Modelle wie Ärztehäuser oder gemeinsame
Versorgungszentren haben wir im Blick. Durch enge Zusammenarbeit mit Stadt, Ärzten, der
Kassenärztlichen Vereinigung und mit direktem Draht zu Gesundheitsminister Karl-Josef
Laumann wollen wir sicherstellen, dass alle Bürgerinnen und Bürger wohnortnah medizinisch
gut betreut sind.
Mobilität & Verkehrssicherheit
Der Ausbau des öPentlichen Nahverkehrs bleibt wichtig. Aber wir wissen auch, dass das Leben
auf dem Land ohne Auto, besonders für Berufstätige, nicht einfach ist. Deshalb setzen wir uns für
einen besseren ÖPNV im Rahmen des Zweckverbands Mobilität Münsterland ein, mit flexiblen
Angeboten wie Rufbussen oder Sharing-Lösungen. Gleichzeitig wollen wir sichere Radwege vor
allem in den Ortskernen ausbauen, damit Alltag und Freizeit klimafreundlich bewältigt werden
können. Um realistisch zu bleiben, fordern wir in neuen Wohngebieten eine Stellplatzquote von
zwei Parkplätzen pro Wohneinheit. So verbinden wir nachhaltige Mobilität mit den Bedürfnissen
einer ländlichen Stadt wie Hörstel und sorgen zugleich für Entlastung beim Schwerlastverkehr
durch Umgehungen und klare LKW-Routen.
Wohnraumentwicklung & Baugebiete
Bezahlbarer Wohnraum in der Stadt Hörstel muss auch künftig für alle Generationen verfügbar
sein. Dazu gehören neue Wohnformen, Angebote für junge Familien und bezahlbareMietwohnungen. Wir setzen auf aktive Bauleitplanung mit klarem Kurs: Durch Ausweisung
städtischer Grundstücke wollen wir jungen Menschen und Familien den Weg ins Eigentum
erleichtern. Denn ein Eigenheim ist nicht nur Teil individueller Lebensplanung, sondern auch
wichtiger Baustein der Altersvorsorge. Die Stadt soll dabei an der Seite der Häuslebauer stehen
und Bürokratie abbauen. Ein enger Kontakt zur Bezirksregierung ist dafür entscheidend. Positiv:
Im Kreis Steinfurt entstehen aktuell mehr geförderte Mietwohnungen, als aus der Bindung fallen
– ein Spitzenwert und auch für unsere Stadt Hörstel.
Ehrenamt & kommunale Infrastruktur
Miteinander beginnt im Kleinen, auf dem Spielplatz, im Sportverein oder im Ehrenamt. Deshalb
setzen wir klare Prioritäten. Spielplätze, Sportstätten und kulturelle Einrichtungen sollen
erhalten und gefördert werden, damit Begegnung und Teilhabe aller Generationen möglich
bleiben. Wo Ehrenamt gelebt wird, entsteht Gemeinschaft. Wir stärken alle, die sich engagieren,
von Feuerwehr und Hilfsorganisationen wie den Ortsverbänden des DRK bis zu Vereinen und
Kulturinitiativen. Dazu gehört auch die Erhöhung der Jugendpauschale, um Vereins- und
Jugendarbeit nachhaltig zu unterstützen. Unsere Politik bleibt nah an den Menschen, mit
Ortsvorstehern als Ansprechpartnern vor Ort und einem Team, das eng mit den Vereinen und
Initiativen in allen Stadtteilen verbunden ist.
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SPD: Vollständige Antwort
Die SPD Hörstel reagierte zunächst auf unsere erste Anfrage lediglich mit dem Hinweis, die Positionen seien im Wahlprogramm auf der Homepage nachzulesen.
Erst nach einer erneuten Anfrage am 20.08.2025 erhielten wir dann konkrete Antworten auf die gestellten Fragen.
Digitalisierung & Bildung
Bereits umgesetzt:
Die Digitalisierung an städtischen Schulen ist bereits weit fortgeschritten. Sie sind
bedarfsgerecht mit Endgeräten ausgestattet und arbeiten mit Programmen wie IServ, um die
Kommunikation zwischen Schule und Elternschaft/Schülerschaft zu digitalisieren. In der
Corona-Zeit hat sich gezeigt, dass das System bereits ausgereift ist, da zum Beispiel die
Gesamtschule umgehend auf Homeschooling und digitalen Unterricht umstellen konnte. Für die
Ausstattung der Schulen mit digitaler Technik wurden Fördermittel aus „DigitalPakt Schule“ und
„Gute Schule 2020“ genutzt.
Ferner bestehen Geräte-Leihsysteme für Schülerinnen und Schüler, die sich keine Endgeräte
leisten können, sowie Dienstgeräte für Lehrkräfte.
Wir gehen beim Thema Digitalisierung mit der Zeit und setzen uns für weitere Modernisierung
der Schul-IT und den Ersatz veralteter Technik ein.
Im neuen Rathaus Uferquartier soll die Verwaltung digital, barrierefrei und unkompliziert für alle
Generationen organisiert werden. Dafür setzen wir uns ein.
Der Glasfaser -Ausbau in unsere Stadt ist nahezu vollständig erfolgt. Auch hier sind wir up-to-
date.
Gesundheitsversorgung & Pflege
Die Sicherstellung der wohnortnahen, medizinischen Versorgung ist uns ein großes Anliegen
und in Anbetracht des demografischen Wandels sowie des Fachkräftemangels auch eine große
Herausforderung. Insbesondere in Dreierwalde besteht auf diesem Gebiet Handlungsbedarf.
Einflussmöglichkeiten der Kommunalpolitik sind hier jedoch kaum vorhanden. Wir freuen uns
über Landärzte und Apothekerinnen, die sich bei uns niederlassen möchten und werben für
unsere Stadt als Standort für eine solche Existenzgründung.
Mobilität & Verkehrssicherheit
Wir setzen uns ein für den Ausbau von Rad- und Wanderwegen, u. a. entlang der L590. In einer
Flächenstadt wie Hörstel müssen wir jedoch auch andere Mobilitätskonzepte denken. Wir
fördern Car-Sharing dort, wo es Sinn ergibt und auf breites Interesse stößt. Der Bürgerbus war
auch ein Vorhaben, das wir angeregt haben. Ein solches müsste unter dem Dach eines
Vereines realisiert werden. Es mangelt letztlich an Personen mit der entsprechenden
Berechtigung zur Fahrgastbeförderung und der Möglichkeit Freizeit in dieses Ehrenamt zu
investieren.
Wohnraumentwicklung & Baugebiete
Städtische Grundstücke sollen vorrangig genutzt werden, um über Vergabekriterien soziale
Aspekte zu steuern. Auch das Modell einer Wohnungsbaugenossenschaft (zum Beispiel auf
Kreisebene) sollte geprüft werden.
Wir stellen sicher, dass so viel preisgebundener Wohnraum wie möglich entsteht (für kleinere
Einkommen, Familien, Senioren).
Wir setzen uns ein für einen schonenden Umgang mit Natur- und Landwirtschaftsflächen.
Deshalb favorisieren wir die Innenverdichtung und schaffen von neuem Wohnraum in
bestehenden Siedlungsräumen.
Ehrenamt & kommunale Infrastruktur
Wir stehen dir für die fortgesetzte Unterstützung der Feuerwehren, Vereine, Kulturinitiativen
durch Zuschüsse und Anerkennung des Engagements. Wir setzen uns ein für die Vernetzung
der Ehrenamtlichen untereinander, ebenso wie für das Zusammenführen der Organisationen
mit Bürgerinnen und Bürgern, die ein Engagement suchen (zB über die Ehrenamtsplattform, die
auf unseren Antrag hin auf der Homepage der Stadt implementiert wird). Die Ehrenamtskarte
wurde in Hörstel auf unseren Antrag hin eingeführt. Wir setzen uns dafür ein, dass sie
bekannter und attraktiver wird, zB durch den Gewinn von weiteren Partnern aus der lokalen
Wirtschaft und Kultur.
Bündnis 90/Die Grünen: Zeitmangel und externe Links
Die Grünen gaben an, aus Kapazitätsgründen derzeit keine detaillierten Antworten geben zu können. Stattdessen verwiesen sie auf ihre Website und einen Bericht in der IVZ.
Problematisch: Bürgerinnen und Bürger müssen sich die relevanten Punkte selbst zusammensuchen – und die IVZ ist nicht frei zugänglich.
Hier stellt sich die Frage: Warum werden nicht alle Medien gleich behandelt?
Eine erneute Nachfrage unsererseits vom 20.08.2025 blieb unbeantwortet.
Keine Antwort: FDP, Die Linke, UWG, Die Partei
Von diesen Parteien ist bis zum Redaktionsschluss am 28.August 2025 gar keine Rückmeldung eingegangen.
Das wirft Fragen auf: Liegt es an fehlender Kapazität, Desinteresse oder bewusstem Schweigen?
Gerade kleinere Parteien könnten durch klare Positionen in lokalen Medien Sichtbarkeit gewinnen – haben diese Chance jedoch ungenutzt gelassen.
Selektive Informationsweitergabe – ein Problem für die Demokratie?
Transparenz darf kein Privileg für ausgewählte Medien sein. Wenn Parteien Presseanfragen selektiv beantworten, benachteiligt das einen Teil der Wählerschaft.
Wer nur bestimmten Journalisten Rede und Antwort steht, riskiert das Vertrauen in einen fairen Wahlkampf.
Gerade auf kommunaler Ebene, wo die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern besonders groß ist, ist Offenheit entscheidend.
Wer sich hier verschließt, sendet ein problematisches Signal: Informationen gibt es nicht für alle, sondern nur für die „richtigen“ Kanäle.
Fazit und Ausblick zur Kommunalwahl 2025
Die Kommunalwahl 2025 in Hörstel zeigt schon jetzt deutliche Unterschiede im Kommunikationsstil der Parteien:
- CDU: konkrete, vollständige Antworten
- SPD: konkrete, vollständige Antworten erst auf erneuter Nachfrage, vorher wurde nur auf die Homepage und das Wahlprogramm verwiesen.
- Bündnis 90 Die Grünen: Verweise auf Ihre Homepage und auf externe Quellen; eine erneute Anfrage blieb unbeantwortet.
- FDP, Linke, UWG, Die Partei: keine Rückmeldung
Bis zur Wahl bleibt Zeit, diese Informationslücken zu schließen.
Die Frage ist: Wollen die Parteien diesen Schritt gehen – oder bleibt die Informationspolitik selektiv?
FAQ zur Kommunalwahl 2025 in Hörstel
1. Wann ist die Kommunalwahl?
Am 14. September 2025 (Quelle: Landeswahlleiter NRW).
2. Welche Parteien treten an?
CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, Die Linke, UWG, Die Partei.
3. Warum gibt es keine vollständigen Antworten von allen Parteien?
Offiziell wegen Kapazitätsgründen oder ohne Rückmeldung. Der Eindruck gezielter Medienauswahl bleibt.
4. Wo finde ich die Wahlprogramme?
Auf den Webseiten der jeweiligen Parteien.
5. Werden später noch Antworten veröffentlicht?
Ja – sobald sie eingehen, werden wir sie ungekürzt online bereitstellen.
6. Warum ist Transparenz im Wahlkampf so wichtig?
Weil nur informierte Wählerinnen und Wähler eine fundierte Entscheidung treffen können.
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